Die letzten Arbeiten liefen noch auf Hochtouren, denn am Samstag, den 10. Oktober, feierte das Wechselwerk mit dem Schauspiel „Wir sind noch einmal davongekommen“ von Thornton Wilder seine Premiere. Der Neubau an der Tufa dient dem Theater bis zum Wiedereinzug nach der Sanierung als Interimsspielstätte und steht danach den 36 Mitgliedsvereinen der Tufa zur Verfügung.
Kulturdezernent Markus Nöhl sagt: „Insgesamt waren hier circa 50 Gewerke beschäftigt, davon wurden 80 Prozent regional in einem Umkreis von 100 Kilometern vergeben. Das zeigt, wie vielfältig Kulturbau sein kann, und ist ein hervorragender Wert, den man auch noch einmal hervorheben darf.“ Der Bau liege zudem voll und ganz im Zeitplan, sodass der Theaterpremiere am kommenden Samstag und der offiziellen Eröffnungsfeier am Sonntag, 18. Oktober, nichts mehr im Wege stehe, bestätigen auch Elli Classen, Leiterin des Amtes für Stadtkultur, und Christoph Klüsserath von der SWT, die bei diesem Großprojekt die Projektleitung innehatten.
„Die Fertigstellung des Wechselwerks ist ein essenzieller Baustein für die Theatersanierung“, erklärt Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Der Neubau an der Tufa, der inzwischen den Namen „Wechselwerk” trägt, wird zunächst als Interimsspielstätte für das Theater während der Sanierung dienen und anschließend den 36 in der Tufa zusammengeschlossenen Vereinen als neuer Großer Saal zur Verfügung stehen. Mit einer Saalfläche von 260 Quadratmetern für den Zuschauerraum und rund 165 Quadratmetern für die Bühne bietet das Wechselwerk künftig 388 Sitz- oder 600 Stehplätze. Das sind weitaus mehr als die bisherigen Kapazitäten der Tufa. Der jetzige Große Saal bietet im Vergleich dazu nur maximal 247 Sitz- oder 397 Stehplätze. Der Kleine Saal hat maximal 92 Sitz- oder 173 Stehplätze. „Es ist eine tolle Aussicht und eine große Chance“, bestätigt auch Tufa-Leiterin Jana Schröder. „Normalerweise mieten Theater während ihrer Restaurierung große Theaterzelte. Wir haben mit dem Wechselwerk eine nachhaltigere Lösung gefunden“, ergänzt Leibe.
Für die wechselseitige Nutzung sind auch die Ausstattung und die Technik des Neubaus ausgelegt. So war es besonders wichtig, dass das Wechselwerk später für die freie Kulturszene multifunktionell nutzbar sein wird. Diese Multifunktionalität zeigt sich besonders in der Bühnenkonstruktion: Im Gegensatz zu einem klassischen Theater befindet sich nichts unter der Bühne, da sie aus einzelnen Podesten besteht, die für andere Veranstaltungen herausnehmbar sind. Auch die gesamte Technik ist auf die Theater- und spätere Tufa-Nutzung abgestimmt.
Das Theater konnte bereits einen ersten Eindruck von der Akustik im Saal der neuen Spielstätte gewinnen. Zwar laufen noch die letzten Arbeiten, doch die Proben für die erste Vorstellung haben bereits begonnen. Intendant Lajos Wenzel zieht ein positives Fazit: „Es ist ein Raum, der fürs Schauspiel sehr gut funktioniert. Es ist auch ein Ort, der Kunst möglich macht, ohne selbst in Konkurrenz zur Kunst zu stehen.“ Aufgrund der Lage des Gebäudes wurde bei der Akustik zudem sehr auf Schallschutz zu den Nachbarn geachtet.
Neben dem Neubau wurden auch Sanierungsarbeiten am Altbau der Tufa vorgezogen. Dazu zählen das verbindende Treppenhaus zwischen Tufa und Wechselwerk, die Restaurierung der Außenfassade und die Modernisierung der Sicherheitseinrichtungen im Bestandsgebäude. Die Gesamtkosten des Projekts betrugen 17 Millionen Euro, davon entfielen 13,3 Millionen auf den Neubau und 2,8 Millionen Euro auf die vorgezogene Bestandssanierung des Altbaus. Der Neubau wurde mit 7,4 Millionen Euro vom Land gefördert. Nach der Wiedereröffnung des sanierten Theaters wird der Sanierungsstau weiter behoben, so wird im Anschluss der restliche Altbau der Tufa saniert. Dabei geht es unter anderem um Barrierefreiheit, die Toiletten, die Technik, den Boden im heutigen Großen Saal und die Bestuhlung.