Saarland

Nach rund 20 Jahren wieder von G8 auf G9

CDU will zurück zum neunjährigen Gymnasium im Saarland

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Unterricht (Symbolbild) - Foto: L.J. Soo/pb

Die CDU im Saarland will nach zwei Jahrzehnten eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium.

Vieles habe sich seit der Einführung von G8, dem Abitur nach acht Gymnasialjahren, verändert, sagte der CDU-Landesvorsitzende und saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). "Jugendliche brauchen mehr Zeit, um den wirklich immer wachsenden Anforderungen gerecht zu werden." Daher wolle man den Schüler wieder ein Jahr mehr geben - "zum Lernen, zum Arbeiten, zum Forschen".

Das Saarland hatte als erstes westliches Bundesland 2001 das Abitur nach acht Jahren an allen Gymnasien eingeführt. Der frühere Regierungschef Peter Müller (CDU) hatte die kürzere Gymnasialzeit damals mit Wettbewerbsnachteilen gegenüber anderen europäischen Länder begründet.

Hans sagte, heute seien Schüler durch Digitalisierung und Globalisierung vor neue Herausforderungen gestellt. "Wir hatten damals nicht Tablets, die im Unterricht eingesetzt werden. Es gab nicht diesen Informationsfluss von außen." Auch die Erwartungen an Schulabsolventen hätten sich gewandelt. "Das Gymnasium braucht mehr Herzblut", um "fitte Schüler zu haben, die am Ende die Abiturprüfung ablegen". Dafür brauche es "ein Mehr an Zeit".

Zudem sollen nach dem vorgelegten Konzept der CDU Saar die Profile der weiterführenden Schulen - also Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Berufsschulen - "geschärft" werden. Eltern könnten derzeit kaum Unterschiede erkennen, sagte Hans. Am Gymnasium zum Beispiel solle Informatik ab Klasse 5 als Pflichtfach unterrichtet werden. "Alles andere ist zu spät." Es solle "ein richtiger Informatikunterricht" sein, in dem Schüler auch Programmieren lernten - und "nicht so ein Wischiwaschi-Computerunterricht", sagte der CDU-Landeschef.

Mehr Fokus solle auch auf Fremdsprachen und Naturwissenschaften gelegt werden. Die Rückkehr zu G9 an Gymnasien sei ab dem Schuljahr 2023/24 geplant. Rund 100 zusätzliche Lehrer seien zur Umsetzung notwendig - mit Zusatzkosten von rund sechs Millionen Euro.

Mit dem Konzept zieht die CDU Saar in den Wahlkampf. Man wolle am Ende der Legislaturperiode der CDU/SPD-Koalition sagen: "Wenn es nach uns geht, geht es so weiter", sagte Hans. Im Saarland wird am 27. März ein neuer Landtag gewählt. An Gemeinschaftsschulen machen Schüler auch derzeit ihr Abitur nach neun Jahren.

Die saarländische SPD-Landesvorsitzende Anke Rehlinger twitterte nach der Vorstellung des Konzepts: "Wir als SPD waren immer für G9. Dafür sind große Investitionen in Räume und deutlich mehr Lehrerstellen notwendig, dagegen hat sich die CDU leider stets gestemmt, wir mussten in den letzten Jahre um jede Lehrerstelle kämpfen."

Zur neuen Haltung der CDU schrieb Rehlinger: "Es ist nie zu spät zum Dazulernen, liebe @cdu_saar, nachdem ihr G8 eingeführt hattet! Hätten wir auch in dieser Legislatur schon ändern können. Aber Wahlkampf ist natürlich auch schön."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon teilte mit: "Die CDU gesteht einen Fehler ein und übernimmt die SPD-Position: Gut so. Schlecht, dass die Kehrtwende 74 Tage vor der Landtagswahl offensichtlich taktisch motiviert ist." Das Saarland hat sich unter SPD-Führung seit 2012 im Bildungsranking stärker als alle anderen Bundesländer verbessert - vom vorletzten Platz auf Platz 5.

In den vergangenen Jahren war die Forderung zur Rückkehr zu G9 an Saar-Gymnasien immer wieder laut geworden. Eine Eltern-Initiative war Anfang 2018 mit einem Volksbegehren für G9 gescheitert. Andere Bundesländer sind bereits zu G9 zurückgekehrt.

Der Deutsche Philologenverband als Organisation der Gymnasiallehrer begrüßte am Mittwoch den Vorstoß der CDU. "Wir haben diesen Schritt lange angemahnt und freuen uns, dass Ministerpräsident Tobias Hans jetzt die Initiative ergriffen hat", teilte der Landesvorsitzende Marcus Hahn mit. Positiv sei, dass Hans kein einfaches "Zurück zu G9", sondern eine Weiterentwicklung des Gymnasiums hin zu mehr Studierfähigkeit vorschlage.

Die Landtagsfraktion der Linken erklärte, G9 sei "überfällig". Es sei "schon bemerkenswert, dass die Saar-CDU kurz vor der Landtagswahl zurück zu G9 will". Jahrelang hätten sich die Christdemokraten "energisch" gegen eine erneute Debatte darüber gewandt. Die Linke habe sich stets gegen G8 ausgesprochen, da "das Turbo-Abi nachweislich ein riesiger schulpolitischer Fehler" gewesen sei. -dpa

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